Transmediale Motivik

Universität Bremen/Universität Duisburg-Essen
Wenn Michel Foucault in "Die Ordnung der Dinge" darauf verweist, dass die "Dinge zu erkennen, bedeutet das System der Ähnlichkeiten zu enthüllen, die sie einander nahe und verbindlich werden ließen", dann verweist er damit auf eine zutiefst menschliche Eigenschaft bzw. Tätigkeit: Die Suche nach sich wiederholenden Ähnlichkeiten, wiederkehrenden Konstellationen und Mustern lässt sich als kognitionspsychologischer Prozess begreifen – und wird auch in der literaturwissenschaftlichen Auseinandersetzung immer wieder thematisiert.
Davon zeugt die Bedeutung der Intertextualitäts- und Intermedialitätsforschung; in concreto beispielsweise das im Kontext der Kinder- und Jugendmedien immer wieder vorkommende "inhaltliche Muster" (Christiane Lubkoll) der Elternferne, welches Oliver Twist, Harry Potter, Pippi Langstrumpf, Mowgli und viele andere Figuren über Genre-, Gattungs-, und Mediengrenzen hinweg miteinander verbindet. Foucault bezeichnet diese Verweisbeziehungen als  "Knoten in einem Netz"; diesen Knotenpunkte entspricht das Motiv, das als verbindendes Element ein Netz von narrativen Medien konstituiert, aber gleichsam durch eben dieses konstituiert wird.
Ziele des Forschungsprojekts sind die Erarbeitung eines trennscharfen und operationalisierbaren Motivbegriffs, einer typologischen Ordnung von Motiven in Kinder- und Jugendmedien sowie die Entwicklung eines tragfähigen Analyseinstruments, das in Form eines Modells sowohl den narrativen Kern von Motiven erkennbar macht als auch seinen unterschiedlichen konkreten Ausgestaltungsdimensionen und -ebenen gerecht wird. Dieses Modell, das ein langjähriges Desiderat der Kinder- und Jugendliteraturforschung adressiert (vgl. O’Sullivan 2000, S. 70), wurde 2019 in einer ersten Veröffentlichung vorgestellt – und diente als Grundlage für ein Symposium an der Universität Duisburg-Essen. Derzeit wird die Veröffentlichung der Tagungsergebnisse vorbereitet.

Das Fokusprojekt wird durch Mittel der Zentralen Forschungsförderung der Universität Bremen unterstützt; das Symposium wurde durch die Geisteswissenschaftliche Fakultät der Universität Duisburg-Essen gefördert.

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Bericht Zu einem Bericht über das Symposium auf KinderundJugendmedien.de
Plakat Plakat des Symposiums