Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis 2019

2019. Drei Autorinnen waren nominiert, gewonnen hat den diesjährigen Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg Tanja Fabsits mit ihrem Kinderroman "Der Goldfisch ist unschuldig". Bekannt gegeben wurde die Preisträgerin am Abend der Verleihung am Montag, 18. November, im Alten Rathaus. 212 Erstlingswerke (149 Manuskripte, 63 Bücher) wurden insgesamt eingereicht und von der Jury (Prof. Dr. Tobias Kurwinkel, Birgit Müller-Bardorff (Redakteurin Augsburger Allgemeine), Christine Paxmann (Herausgeberin des Magazins Eselsohr und Autorin), Mehrdad Zaeri (Illustrator) und Katharina Zedler) gesichtet und beurteilt.

"Tanja Fabsits thematisiert, wie Kinder mit der Krankheit eines Elternteils – einer Depression oder einem Burnout – umgehen. Besonders beeindruckend ist, wie konsequent sie dabei die Perspektive Henris einnimmt. Es geht nicht um den kranken Vater, und so ist es auch nicht von Bedeutung, seine Krankheit zu benennen. Literarisch überzeugend findet Fabsits einen Ton, der das schwere Thema mit Leichtigkeit und Komik erzählt. Dazu kommen originelle und interessante Figuren, wie Hausmeister Montesanto oder die neugierige Nachbarin Frau Pelinka. Nicht zuletzt Henris Schulalltag, in dem sich der pfiffige Junge gegen den Klassentyrann Max durchsetzen kann, macht das Buch zur ebenso unterhaltsamen wie berührenden Lektüre, die ebenso zum Schmunzeln wie zum Nachdenken bringt", so die Jurorin Birgit Müller-Bardorff.

Die Preisrede auf „Der Goldfisch ist unschuldig“ hielt die Autorin und Illustratorin Ute Krause. "Tanja Fabsits erzählt in einem sehr eigenen, fast beiläufigen Ton, der ihrer Geschichte einen großen Charme verleiht. Sprache und Humor gehen in diesem Buch Hand in Hand. Die Autorin führt uns noch durch die ernstesten und traurigsten Momente mit Leichtigkeit. Ich glaube, jede Leserin und jeder Leser wird das Buch am Ende mit einem warmen Gefühl im Bauch zuschlagen und noch einen Moment in diesem Wiener Mietshaus verharren, um Henri, seiner Familie und seinen Freunden beim wohlverdienten Weihnachtsessen über die Schulter zu schauen."

Nominiert hatte die diesjährige Jury am 10. Oktober folgende Werke:

  • Tanja Fabsits aus Klosterneuburg mit ihrem Kinderbuch "Der Goldfisch ist unschuldig" (Tyrolia)
  • Nora Hoch aus Berlin mit ihrem Jugendbuchmanuskript "Das Salzwasserjahr"
  • Christine Zureich aus Konstanz mit ihrem Jugendbuchmanuskript "Ellens Song"
     


Zu Zureichs Manuskript habe ich folgende Rezension als Jurybegründung geschrieben: Die Geschichte, die aus der Perspektive ihrer 18-jährigen Hauptfigur erzählt wird, erscheint zunächst nicht außergewöhnlich: Ellen, eine talentierte junge Musikerin, will nach dem Abitur aus der süddeutschen Provinz und vor den Eltern fliehen; nichts soll dazwischenkommen, auch die Liebe nicht. Eingeplant ist diese für später – sie soll zum Neubeginn in der Stadt, in der alles anders sein wird, gehören. Doch natürlich stellt sie sich vorher ein, die Liebe. Ellen verliebt sich in Johnny, weil er, komplementär charakterisiert, alles hat – insbesondere die richtigen Eltern. Sie hat hingegen die falschen: Einen alkoholkranken, arbeitslosen Vater und eine ko-abhängige Mutter, die an ihren Mann und an Besserung glaubt – in Wahrheit aber längst aufgegeben, der Sucht nichts mehr entgegenzusetzen hat.

Die Liebesbeziehung und das Elternhaus Johnnys bieten Ellen Schutz vor ihrem desolaten Zuhause, funktionieren als kontrastiv gezeichneter Zufluchtsort, bis bei Johnnys Mutter Krebs diagnostiziert wird. Zunächst schweißt die schwere Krankheit die jugendlich Liebenden zusammen, dann isoliert sie Ellen von ihren Freunden und der für sie so wichtigen Musik. Schließlich leitet sie eine Folge von Ereignissen und daraus resultierenden Entwicklungen ein, an denen Ellen zu zerbrechen scheint.

Christine Zureichs Coming-of-Age-Story überzeugt und beeindruckt: zum einen durch die Geschichte, die auf ihrem Höhepunkt zeigt, welche Bedeutung der Musik als Seelenkraft und -helfer zukommen kann. Zum anderen durch die Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt wird: So reflektiert Zureich die Entfremdung, die Distanz ihrer traumatisierten Protagonistin zu sich selbst durch verschiedene Erzählperspektiven, die sie mit einer filmischen Schreibweise kombiniert: Situationen, die für Ellen emotional schwer zu bewältigen sind, werden von ihr drehbuchgleich in Filmszenen wiedergegeben – und übersetzen damit kongenial, wie weit entfernt Ellen von einem kohärenten Ich ist.

Seit 1977 vergibt die Stadt Oldenburg einen Preis für herausragende literarische und künstlerische Leistungen auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur. Der mit 8.000 Euro dotierte Preis ist der einzige seiner Art in Deutschland. Als Förderpreis dient er dem Ansporn und der Ermutigung von Autorinnen und Autoren beziehungsweise Illustratorinnen und Illustratoren, ein Erstlingswerk vorzulegen. Zugleich soll innovativen Ideen eine Chance gegeben und ein Anreiz geschaffen werden, die Werke Unbekannter in die Verlagsprogramme aufzunehmen.